Die Kunst der Kürze – Teil I



Leser lesen im (mobilen) Online-Zeitalter immer kleinere Portionen von dem, was Ihnen an Informationen angeboten wird. Das Medium Internet zwinge die Schreiber nicht mehr zu durchdachten und kompakten Beschreibungen, sondern gebe Redundanz und Ausuferung freie Bahn, lautet eine Analyse des Problems.

Wo die äusseren Umstände nicht zum Guten zwingen, benötigt man Problembewusstsein und Disziplin. Hier möchten wir ansetzen und haben zum Thema „Mehr Inhalt mit weniger Worten“ einen interessanten Text von Isla McKetta (MOZ-Blog) gefunden, der in diesem und dem nächsten Artikel vollständig aus dem Englischen übersetzt wurde.

Sie und Ihre Leser werden mit Informationen bombardiert. All zu oft geschieht das in Form von langgezogenen Emails, Blogbeiträgen und Berichten, die sehr wenig aussagen oder – weil digitaler Platz (praktisch) gratis und unbegrenzt ist – unterstellen, dass dies auch für Ihre Zeit gelte.

Aber Zeit und Aufmerksamkeit sind kostbar. Wenn Sie lernen in all Ihrem Schreiben prägnant zu sein (von Emails und Berichten bis zu Blogbeiträgen, Whitepapern und Produktbeschreibungen), dann bringen Sie nicht nur Ihre Botschaft an den Mann, sondern Sie können auch das Vertrauen, die Anerkennung und Loyalität Ihrer Leser gewinnen. Ausserdem: Prägnanter Content konvertiert besser.

Kurze Ratschläge für’s prägnante Schreiben

Den besten Tipp für prägnantes Schreiben, den ich jemals bekommen habe, kam vom ehemaligen Journalisten (und jetzigen MOZ-Kollegen) Ronell Smith. Er sagte, um seinen Punkt mit so wenig Worten wie möglich an seine Leser zu transportieren, sei es essentiell:

  • Einen einzigen Satz zu verfassen, der den geplanten Beitrag zusammenfasst (das ist im Wesentlichen die Überschrift)
  • Eine Hauptbotschaft im Auge zu behalten, die den Leser nachhaltig präsent bleiben soll
  • Mindestens drei Argumente (Überzeugenden, bekräftigende Belege) herauszustellen, die diese Hauptbotschaft untermauern
  • Ein paar Notizen zu machen, wie mit diesen Fakten eine zusammenhängende Geschichte erzählt werden kann
  • Ein paar Tage zu investieren, um allem etwas „Raum zum Atmen“ zu geben

Nun, wenn ich den prägnantesten Blogbeitrag der Welt schreiben würde, dann würde ich genau hier haltmachen, weil Ronell schon die wichtigsten Dinge gesagt hat. Manchmal ist es aber hilfreich zu sehen, wie jemand anderes einen Ratschlag in die Praxis umsetzt. Hier sehen Sie jetzt, wie ich Ronell’s Tipps umsetze, um einen Beitrag über Prägnanz zu schreiben.

Zusammenfassung des Beitrags in einem Satz

Zu Lernen, wie man mit so wenig Worten wie möglich seine Ansicht schildert, hilft Ihnen beim Gewinnen der Aufmerksamkeit Ihrer Leser


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Vor dem Schreiben Konzept entwerfen! (Bild: © Rawpixel – Shutterstock.com)


Ich könnte (und sollte) hier halt machen. Aber ich möchte kurz erklären, warum das wichtig ist:

  • Beim Versuch diese grossartige Idee in einem Satz zu verdichten, verrichtet das Gehirn eine Menge Arbeit – so viel Arbeit, wie beim Erstellen des ganzen ersten Entwurfs.
  • Wenn Sie erst einmal einen Beschreibungssatz haben, fällt es leicht alle anderen, aufregenden Ideen beiseite zu schieben, die versuchen einen Platz auf der Seite zu ergattern. Sie können sich auf das konzentrieren, was Sie eigentlich sagen wollen.

Über eine Hauptbotschaft nachdenken, die Leser langfristig behalten sollen

Weniger Wörter bilden häufig eine klarere, durchschlagendere Kommunikation.

Wenn man erst einmal genau weiss, was man den Lesern vermitteln will, lässt sich auch eine Priorisierung treffen, so dass alles weitere dieser Marschrichtung dient. Das ist eine gute Sache, weil:

  • Es Ihnen hilft, sich auf die Leserschaft zu konzentrieren. Wenn Sie ein paar wirklich gute Tipps zur Keyword-Recherche verfassen, können Sie z.B. ganz leicht versucht werden, Ihre Leser auch noch daran erinnern zu wollen, warum Keyword-Recherche wichtig ist. Das ist der Moment, an dem Sie das Interesse jener Leute verlieren, die das Warum hinter der Keyword-Recherche schon kennen. Sie sind nun gelangweilt und verlassen Sie (obwohl Sie gerade im Begriff, waren mit den wirklich revolutionären Informationen zu begeistern).
  • Sie wissen, womit Sie starten müssen. Selbst bei einer äusserst wichtigen Email können Sie darauf wetten, dass nicht jeder jedes Wort (oder jeden Abschnitt) lesen wird. Wenn Sie den wichtigsten Teil nach ganz vorne stellen, ist die Wahrscheinlichkeit grösser, dass Ihre Botschaft verstanden wird.

Mindestens drei Argumente herausstellen, die die Hauptbotschaft untermauern

Technisch gesehen, habe ich bis hierhin geschummelt und immer wieder ein paar Argumente eingestreut. Dieser Punkt wird Ihnen helfen:

  • Eine Gliederung für Ihren Beitrag zu entwickeln. Es ist leichter anhand einer Gliederung zu schreiben und Sie können sicher sein, auch alle im Vorfeld überlegten Punkte im Text zu berücksichtigen.
  • Einen ersten Eindruck von der Qualität Ihrer Argumente zu erhalten. Wenn Sie einen Artikel zum Thema „Content is King“ schreiben und das erste Argument ist „Weil das jeder sagt“ und das zweite „Leser teilen solche Sachen“ und ein drittes kommt nicht so recht in den Sinn, dann sollte noch einmal über bessere Argumente nachgedacht werden.

Im zweiten Teil finden Sie die beiden letzten Aspekte in die Praxis umgesetzt sowie ein paar weiterführende Gedanken von Isla McKetta.

Quelle: The Art of Concision: How to Effectively Make Your Point in Fewer Words

 

Oberstes Bild: © Ambient-Ideas – Shutterstock.com

Über Markus Haller

Diplomphysiker im technischen Vertrieb mit Leidenschaft für's Schreiben.
Die Themen dürfen ruhig weit gesteckt sein: Von Archäologie und Kulturanalyse über Naturwissenschaft und Technik hin zum eCommerce und Content-Marketing.

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