Die richtige Plattform für das eigene Content-Thema finden



Die Verbreitung von Textbeiträgen über soziale Netzwerke hängt stark vom behandelten Thema ab. Eine Standortbestimmung macht für Content-Marketer viel Sinn, da allein durch den Wechsel der bespielten Plattform ein Reichweitengewinn erzielt werden kann.

Exemplarisch wird in diesem Artikel die Verbreitung des Themas „Content-Marketing und SEO“ auf verschiedenen Plattformen betrachtet. Am Ende stehen drei interessante Lehren.

Ich habe es bisher immer als eine Binsenweisheit aufgefasst. „Soziale Plattformen unterscheiden sich. Wählen Sie den sozialen Kanal, auf dem sich Ihre Zielgruppe befindet und der zu Ihrem Unternehmen passt.“ Eigentlich selbstverständlich. Trotzdem lässt sich dieser Rat praktisch nicht umsetzen, da man die richtige Plattform für den eigenen Content in der Regel nicht kennt. Und so wird man am Ende ausprobieren müssen – und weil es Hunderte von Gründen gibt, weshalb Content-Massnahmen keine rechte Reichweite erzielen, kann man auch nicht alle relevanten Plattformen innerhalb eines Monats durchtesten und danach eine optimale Entscheidung für das weitere Vorgehen treffen.

Es bleiben nur die Optionen, Geld für einen Berater mit viel Erfahrung in die Hand zu nehmen und auf dessen Urteil zu vertrauen oder eigene Erfahrungen zu sammeln, indem man mehr oder weniger auf „gut Glück“ eine Plattform bedient – und falls der Erfolg ausbleibt, zur nächsten wechselt. Diese Optionen klingen vielleicht nicht sehr attraktiv, aber glücklicherweise kann man immer noch bei den richten Leuten abschauen. Das habe ich einmal getan.

Da ich über Content-Marketing schreibe, habe ich mir die Verbreitung der Beiträge meiner sehr erfolgreichen amerikanischen Kollegen angeschaut. Dabei wurde für mich endlich einmal deutlich, wie unterschiedlich die Verbreitung ein und desselben Beitrags auf verschiedenen sozialen Plattformen sein kann. Am Ende konnte ich auch ein paar wichtige Schlüsse für die Verbreitung meiner Beiträge ziehen – aber beginnen wir von vorne.


Der Video-Podcast "Whiteboard Friday" vom MOZ-Gründer und SEO-Experten Rand Fishkin ist das Aushängeschild des MOZ-Blogs - und sorgt für regelmässig hohe Verbreitung auf allen Plattformen (Bild: Screenshot, MOZ-Blog).

Der Video-Podcast „Whiteboard Friday“ vom MOZ-Gründer und SEO-Experten Rand Fishkin ist das Aushängeschild des MOZ-Blogs – und sorgt für regelmässig hohe Verbreitung auf allen Plattformen (Bild: Screenshot, MOZ-Blog).


Ich wollte etwas über die Verbreitung von solchen Artikeln auf sozialen Plattformen lernen, die sich mit Content-Marketing und benachbarten Themen befassen. Entsprechend habe ich mir die beiden bekanntesten Unternehmen für Content-Marketing und Suchmaschinenoptimierung (SEO) ausgesucht, die ich kannte: Das Content Marketing Institut (CMI) und den Analysesoftware-Entwickler MOZ, der insbesondere mit dem Gesicht vom SEO-Experten Rand Fishkin verbunden ist.


CMIÜbersicht

Der Webauftritt des Content Marketing Instituts: Etwas seriöser als die Kollegen von MOZ, aber einige Cartoon-Elemente finden sich auch hier (Bild: Screenshot, CMI-Webseite).


Beiträge von Autoren, die für eines der beiden Unternehmen arbeiten, werden mittlerweile tausendfach geteilt, was für ein relativ spezifisches Themengebiet eine hohe Quote ist. Vorteil für mich: Ich kann mich bereits an deren Auswahl der sozialen Plattformen orientieren. Ausserdem benötigt man für aussagekräftige Ergebnisse eine gewisse Mindestanzahl an „Social Shares“, die von diesen Beiträgen immer erreicht wird.

MOZ verbreitet seine Inhalte zu den Themen Content-Marketing und SEO auf Twitter, Facebook, Google+ und Buffer. Das Content Marketing Institute auf Twitter, Facebook und LinkedIn.

Lehre Nr. 1: Content-Marketing ist kein Thema für Facebook, Google+ und Buffer


11 Artikel vom MOZ-Blog mit der ausgewiesenen Anzahl an Likes, Tweets etc. Während der starke Abfall an Reichweite auf Google+ und Buffer eventuell auf eine kürzere Laufzeit des sozialen Kanals zurückzuführen sein könnte, ist dies bei Facebook sicher nicht der Fall (Bild: © Markus Haller, Hintergrundbild: © SEOmoz)

11 Artikel vom MOZ-Blog mit der ausgewiesenen Anzahl an Likes, Tweets etc. Während der starke Abfall an Reichweite auf Google+ und Buffer eventuell auf eine kürzere Laufzeit des sozialen Kanals zurückzuführen sein könnte, ist dies bei Facebook sicher nicht der Fall (Bild: © Markus Haller, Hintergrundbild: © SEOmoz)


Die Artikel der MOZ-Autoren verbreiten sich über Twitter sehr weit. Demgegenüber erreichen sie auf Facebook und Buffer eine deutliche geringere Reichweite und die Verbreitung über Google+ liegt noch einmal spürbar darunter. Ein MOZ-Artikel wird im Durchschnitt fünfmal häufiger über Twitter geteilt als über Facebook oder Buffer. Beim CMI geht die Schere zwischen Facebook und Twitter noch deutlicher auseinander. Derselbe Artikel wird ungefähr achtmal häufiger auf Twitter geteilt als auf Facebook.

Lehre Nr. 2: Bekannte Persönlichkeiten treiben die Verbreitung – überall!


JoePulizzi

So wie Rand Fishkin dem MOZ-Blog ein Gesicht verleiht, steht der Gründer Joe Pulizzi stellvertretend für das Content Marketing Institute (Bild: Screenshot, CMI-Webseite).


MOZ hat mit Rand Fishkin eines der bekanntesten Gesichter der SEO-Szene. Wo er als Autor geführt wird, teilen die sozialen Nutzer die Beiträge deutlich häufiger. Dieser „Fishkin-Effekt“ ist gerade auf den Plattformen noch deutlicher ausgeprägter, auf denen die Artikel zum Thema Content-Marketing eher zögerlich geteilt werden. Auf Facebook werden Fishkins Artikel ungefähr 2,5-mal häufiger geteilt als die thematisch ähnlichen Beiträge der anderen MOZ-Autoren. Wer also nicht mit dem Thema überzeugen kann, braucht ein bekanntes Gesicht als Autor. Sicherlich muss auch bedacht werden, dass die Artikel von Rand Fishkin in erster Linie als Video-Cast präsentiert werden, auch wenn das Video in transkribierter Form zusätzlich als Artikel vorliegt.

Lehre Nr. 3: Content-Marketing ist ein Thema für LinkedIn!


8 Artikel des Content Marketing Institutes mit der ausgewiesenen Anzahl an Tweets, Likes etc. Während auch hier die Reichweite auf Facebook relativ gering ist, verbreiten sich dieselben Inhalte auf LikedIn deutlich stärker. (Bild: © Markus Haller, Hintergrundbild: © Content Marketing Institute)

8 Artikel des Content Marketing Institutes mit der ausgewiesenen Anzahl an Tweets, Likes etc. Während auch hier die Reichweite auf Facebook relativ gering ist, verbreiten sich dieselben Inhalte auf LikedIn deutlich stärker. (Bild: © Markus Haller, Hintergrundbild: © Content Marketing Institute)


Das CMI verbreitet seine Artikel auch auf dem Business-Netzwerk LinkedIn – und ist auf diesem Kanal deutlich erfolgreicher als auf Facebook. Die gleichen Artikel werden auf LinkedIn circa doppelt so oft geteilt wie auf Facebook. Content-Marketing ist offenbar für professionelle Marketer im Business-Netzwerk deutlich interessanter als für die Privatperson – oder den Marketer während seiner Freizeit – auf Facebook.

 

Oberstes Bild: © Oleksiy Mark – Shutterstock.com

Über Markus Haller

Diplomphysiker im technischen Vertrieb mit Leidenschaft für's Schreiben.
Die Themen dürfen ruhig weit gesteckt sein: Von Archäologie und Kulturanalyse über Naturwissenschaft und Technik hin zum eCommerce und Content-Marketing.

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