SEO-Grundlagen für das Content-Marketing: Was genau ist PageRank?



Wer Content-Marketing betreibt, hat in der Regel auch Interesse an erhöhter Sichtbarkeit in Suchmaschinen. Bei der Recherche zum letzten Artikel wurde uns deutlich, dass spätestens beim Umgang mit Alt-Content einige SEO-Grundlagen für eine gute Entscheidungsfindung bekannt sein müssen. Darum soll es in diesem Artikel gehen.

Wir widmen uns zwei Bewertungskriterien, die Suchmaschinen nutzen, um die Relevanz einer Website für eine Suchanfrage zu bestimmen: der PageRank und seitenspezifische Faktoren, wobei das Hauptgewicht deutlich beim PageRank liegt.

Suchmaschinen haben die Aufgabe, Webseiten in einer Reihenfolge aufzulisten, die deren Relevanz für die Suchanfrage widerspiegelt. Eine intuitive Methode dafür liegt in einem Wortvergleich zwischen Anfrage und Webseitentext, also der Frage „Welche Webseite enthält (überhaupt) die Wörter der Suchanfrage und wie häufig?“. Auf diese Weise lässt sich eine effektive Grobfilterung und bereits eine erste Sortierung vornehmen. Ein solches Vorgehen wird auch als Keyworddichte-Check bezeichnet und ist ein Beispiel für die Bewertung von Webseiten aufgrund eines seitenspezifischen Faktors (hier: der Keyworddichte).

Backlinks und deren Gewichtung führen zu PageRank

Zur Verfeinerung der Suchergebnisse und zur Erschwerung von bewusster Manipulation ziehen Google und andere Suchmaschinen bei der Ermittlung der Seitenrelevanz sog. Backlinks mit ein. Damit werden Links bezeichnet, die von anderen Webseiten auf eine Seite hin verlinken. Suchmaschinen werten einen Backlink von Seite X auf Seite Y sozusagen als positive Empfehlung von Seite X für Seite Y, sodass die Relevanz der letzteren zunimmt.

Aber auch eine Kombination von Keyworddichte-Check und Backlink-Analyse ist noch relativ manipulationsanfällig und bringt in der Regel keine qualitativen Suchergebnisse hervor. Beispielsweise können viele „Billigseiten“ auf eine Website verlinken, deren Keyworddichte künstlich für die am häufigsten gesuchten Keywords aufgeblasen wurde. Eine so manipulierte, niederqualitative Seite würde vom Algorithmus vermutlich höher gelistet, als viele Seiten, die wirklich relevante Inhalte zu den entsprechenden Suchanfragen enthalten. Aus diesem Grund führten Sergey Bin und Lawrence Page Ende der 90er Jahre einen Algorithmus ein, der jeder Webseite eine Autorität/Popularität zuweist, die bei der Backlink-Bewertung berücksichtigt wird – den berühmten PageRank-Algorithmus.

Seit Ende August 2013 setzt Google zwar nicht mehr auf PageRank, sondern auf den Hummingbird-Algorithmus, allerdings ist PageRank ein fester Bestandteil von Hummingbird; um genauer zu sein: „PageRank ist eine von über 200 Zutaten des Hummingbird-Rezepts“, schrieb der SEO-Experte Danny Sullivan in einem Beitrag auf searchengineland.com kurz nach der Bekanntgabe des neuen Suchalorithmus. „Hummingbird nutzt PageRank – bei der Festlegung, wie relevant ein Link zu einer Seite zu erachten ist – zusammen mit anderen Faktoren.“

PageRank im Detail

Der PageRank-Algorithmus hat eigentlich nur drei Variablen, die zur Berechnung der Autorität bzw. des PageRanks einer Seite i berücksichtigt werden:

  1. Einen Dämpfungsfaktor: d
  2. Der PageRank einer Seite j, die auf Seite i verlinkt: PR(j)
  3. Die gesamte Anzahl von Links, die Seite j aufweist: C(j)

Verfügt eine Webseite i über jeweils einen Backlink von den Webseiten A und B (PR(A)=5 und PR(B)=7), von denen die eine nur auf Seite i verlinkt und die andere auf fünfzig andere Seiten, berechnet sich der PageRank von Seite i wie folgt:

PR(i) = (1 − d) + d·PR(A)/C(A) + d·PR(B)/C(B) = (1 – d) + d·(5/1) + d·(7/51)

Auch wenn die konkrete Umsetzung des Algorithmus von Suchmaschinen sicherlich in einer weit komplexeren Form geschieht, lassen sich ein paar relevante Punkte für das eigene SEO von dieser Formel ablesen

  1. Je höher die Anzahl C an Links zu anderen Seiten ist, desto geringer der PageRank. Links zu externen Webseiten oder auch zu (eher unrelevanten) Unterseiten der eigenen Website sollten nicht gedankenlos gesetzt werden.
  2. Der Wert eines Backlinks von einer Seite mit hohem Pagerank hängt auch davon ab, wie viele Links von dieser Seite insgesamt abgehen. Damit können Seiten mit mittlerem bis geringem PR durchaus wertvoll sein, wenn sie bisher nur wenige Links gesetzt haben.
  3. Da der PageRank einer Seite prinzipiell vom PageRank jeder Webseite beeinflusst wird, lassen sich intelligente interne Verlinkungen konstruieren, die den PageRank an andere, dem Seitenbetreiber ebenfalls gehörende bzw. befreundete, Seiten weitergeben

Konkretes Berechnungsbeispiel: Drei verlinkte Seiten


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Drei untereinander verlinkte Seiten A,B,C mit einem externen Link X (Bild: © Markus Haller, Belmedia AG)


Der Betreiber einer Domain hat drei Blog-Artikel auf den Seiten A, B und C, die nur im Dreieck untereinander verlinkt sind. Interessant wird es, wenn eine externe Seite X auf eine dieser Seiten verlinken sollte. Hat diese externe Seite beispielsweise einen PR von 5 und wird ein Dämpfungsfaktor d=0,85 angenommen (typisch für Links), berechnet sich der SEO-Effekt wie folgt:

Vor der Linksetzung sehen die Gleichungen für die drei PR-Werte so aus:

  • PR(A) = (1 – d) + d·PR(C)
  • PR(B) = (1 – d) + d·PR(A)
  • PR(C) = (1 – d) + d·PR(B)

Die Lösung des Gleichungssystems ergibt für alle drei Seiten jeweils den PageRank 1.

Kommt die Verlinkung von Seite X hinzu, ändert sich die erste Gleichung und – weil diese Gleichung Teil eines voneinander abhängenden Systems ist – auch die Werte für die beiden weiteren Größen

  • PR(A) = (1 – d) + d·PR(C) + d·PR(X)
  • PR(B) = (1 – d) + d·PR(A)
  • PR(C) = (1 – d) + d·PR(B)

Die Lösung dieses Gleichungssystems lautet:

  • PR(A) = 5,25
  • PR(B) = 4,61
  • PR(C) = 4,07

Durch die interne Verlinkung wurde der SEO-Wert von Seite X nicht nur auf Seite A übertragen, sondern von dort auf die anderen beiden weitergegeben. Insgesamte erhöht sich die Summe des PageRanks aller Seiten von 3 auf 13,93. Auf diese Weise übernimmt die Seite A die Funktion als „giver“ und überträgt PageRank auf Schwesterwebseiten.

Zu beachten ist, dass im PageRank-Algorithmus allein die Backlinkstruktur einfliesst. Suchmaschinen werten aber noch weitere Faktoren aus, die teils aus ganz anderen Bewertungskategorien stammen: eine gute Seitennavigation, übersichtlicher Seitenaufbau, Keywords, guter Content u.v.a.

 

Oberstes Bild: © Ivelin Radkov – Fotolia.com

Über Markus Haller

Diplomphysiker im technischen Vertrieb mit Leidenschaft für's Schreiben.
Die Themen dürfen ruhig weit gesteckt sein: Von Archäologie und Kulturanalyse über Naturwissenschaft und Technik hin zum eCommerce und Content-Marketing.

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