Was Printprodukte für das Content-Marketing leisten können



Im Digitalzeitalter wurde schon vielfach der Tod der Printmedien ausgerufen. Fallende Abonnentenzahlen in weiten Teilen der Zeitungs- und Verlagsbranche geben dieser Einschätzung auch eine gewisse Berechtigung. Allerdings haben Printprodukte auch Stärken, die der Digitalbereich nicht bieten kann und diese qualifizieren Printerzeugnisse für einen Platz im Marketing-Mix.

Im Folgenden beschreiben wir diese Stärken etwas näher und skizzieren zum Abschluss ein junges und erfolgreiches Projekt, das exemplarisch für die Relevanz gedruckter Magazine im Digitalzeitalter steht.

Der technologische Fortschritt im Digitalbereich sorgt für weitläufige Umwälzungen, die immer schneller vorangehen. Die relativ junge Digital-Publishing-Branche ist so dynamisch, das Preisschwankungen von bis zu 70 Prozent (bei Produkten im vierstelligen Preisbereich) innerhalb von nur drei Jahren nicht ungewöhnlich sind. Zahlreiche Anbieter tauchen auf, um genau so schnell wieder zu gehen, was nicht zuletzt mit dem hohen Innovationsdruck zusammenhängt.

Fokus der Innovationsmaschinerie auf den Digitalbereich

Auch in anderen Sektoren geht der technologische Fortschritt der Digitalisierung so schnell, dass ihm die sprichwörtlichen eigenen Kinder zum Opfer fallen könnten. Namentlich wurde den (Verlags-)Webseiten bereits das Ableben prognostiziert, was die Online-Landschaft deutlich verändern würde – wenn es denn wirklich zu solchen Entwicklungen käme.

Vor diesem Hintergrund ist es nur logisch, dass sich Content-Marketer ausschliesslich auf den digitalen Onlinebereich ausrichten. Im Digitalen tummelt sich zur Zeit das Leben. Hier erreicht man die zahlungskräftige Generation (teils) von heute und sicherlich auch (teils) die von morgen. Kurzum: Im Digitalen liegt die Zukunft.

Das stimmt sicherlich auch, aber nicht vollumfänglich. Wenn es um komplexere Informationen geht, sind Printprodukte heute immer noch gefragt. Ausführliche Fachartikel, Artikelserien oder auch Fachbücher werden in Printform bevorzugt und das vermutlich nicht nur aus Gewohnheitsgründen.

Studie: Print hat immer noch seine einzigartigen Stärken

Einer Studie des renommierten Siegfried Vögele Instituts (SVI) aus dem Jahr 2012 zufolge, bleiben Informationen besser im Gedächtnis, wenn sie durch ein Printmedium konsumiert werden, anstatt über einen elektronischen Bildschirm. Entscheidend für den Lern- und Erinnerungsprozess seien die zusätzlichen haptischen Reize (Tast-Wahrnehmung), so der Forscher Dr. Christian Holst: „Beim Abruf taktil gelernter Informationen werden Hirnareale reaktiviert, die auch an der Encodierung (Speicherung) taktiler Informationen beteiligt sind.“ Diese zusätzlichen Reize beim Lernen fördern offenbar die Erinnerungsleistung. Und im Gegensatz zum Bildschirm, kann im Printmedium nach Belieben geblättert und angefasst werden. Tablets und Smartphones haben zwar eine gewisse Haptik, die ist aber weniger stark ausgeprägt.


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Print beinhaltet haptische Reize, die für den Lern- und Erinnerungsprozess vorteilhaft sind (Bild: © legenda – Shutterstock.com)


Aus den Studienergebnissen schlussfolgert Dr. Holst, dass Detailinformationen beim Konsum von Printmedien stärker in Erinnerung bleiben würden. Sieht ein potentieller Käufer eine Print-Werbeanzeige in einem Magazin, sei die Chance grösser, dass er sich auch an die Firma hinter dem Werbeslogan erinnere. Ein Aspekt, in dem der digitale Bereich vermutlich nur schwer gleichziehen kann.

Weitere Vergleichsstudien über das Lesen auf Print- und Digitalmedien legen den Schluss nahe, dass für Leser auch eine gewisse Lokalisierung der gerade gelesenen Zeile nötig ist. Beim Printmedium kann die Zeile an einer konkreten Stelle auf einer greifbaren Seite festgemacht werden und die Seite hat wiederum einen festen Platz im Buch bzw. Magazin. Eine digitale Publikation – vor allem auf Smartphones – liefert diese Art der Lokalisierung und Greifbarkeit nicht. Und das zehrt, so wird vermutet, an den Gehirnkapazitäten. Damit fehlt eine Konzentrationsleistung, die beim Konsum eines Printmediums automatisch in das Textverständnis investiert wird.

Relevanz für Content-Marketer

Gerade für Anbieter von Lehrangeboten oder Fachinformationen liegt die Relevanz dieser Ergebnisse auf der Hand, da hier die Lernanforderung an die Zielgruppe besonders hoch ist. Da jedes Unternehmen in seinem Geschäftsfeld über eine Fülle von komplexem Know-how verfügt, das sich hervorragend für eine Content-Strategie eignet, kann in gewissem Umfang jeder zum Anbieter von Fachinformationen werden. Damit gibt es prinzipiell für jeden Content-Marketer eine Anwendungsmöglichkeit für Printmedien.

Der Produktionsleiterin des japanischen Bürokommunikationsmittel-Anbieters Ricoh zufolge, Annette McCrary, biete sich jetzt die beste Gelegenheit für Marken auf dem Printkanal aktiv zu sein, wie sie in einem Artikel für das Content-Marketing-Institut (CMI) schrieb. Es muss bedacht werden, dass sie vom amerikanischen Umfeld ausgeht und dort sind Online-Massnahmen in der Regel das traditionelle Marketing – Print wird in den USA schon fast als Guerilla-Marketing angesehen.

So weit sollten Content-Marketer es im deutschsprachigen Raum nicht kommen lassen und Print weiterhin als Teil im Marketing-Mix berücksichtigen. Allerdings nicht mehr in der gleichen Weise wie früher, sondern unter geänderten Voraussetzungen, anderen Zielen und mit einer entsprechend angepassten Erwartungshaltung.

 Ein kleines Projekt zeigt die Relevanz von Print

Im nächsten Artikel beschreiben wir Annette McCrarys Einschätzung dazu ausführlicher. Den Abschluss soll ein Hinweis auf ein junges Magazin-Projekt im deutschsprachigen Raum bilden, das die Möglichkeiten von Printprodukten im Digitalzeitalter noch einmal unterstreicht.

Das Magazin Shift setzt ganz bewusst auf Print als statische Grösse und betreibt begleitend dazu den Online-Kanal als dynamische Komponente für Austausch und Interaktion. Der Gründer des Shift-Magazins, Daniel Höly, verriet im Zuge eines Interviews mit Karsten Lohmeyer, dass seine Zielgruppe (Personen zwischen 20 und 35) vor allem bei längeren Artikeln gerne ein Printmagazin in der Hand halten würde.

Der Erfolg der ersten Ausgabe spricht für diesen Ansatz: Mit 1000 Exemplaren startete das Projekt Mitte 2014 und erhielt nicht nur von den Lesern eine gute Resonanz. Am Ende gewann Shift auch den mit 10.000€ dotierten Bayerischen Printmedienpreis. Zur Zeit ist die zweite Ausgabe mit einer Auflage von 10.000 Exemplaren geplant und soll teils aus dem Preisgeld und teils aus einer noch laufenden Crowdfunding-Kampagne finanziert werden.

Wer nun mehr über die Hintergründe wissen möchten, weshalb ein Digital Native im Digitalzeitalter ein Print-Angebot ins Leben ruft, der findet im oben genannten Interview einige interessante Antworten.

 

Oberstes Bild: © Connel – Shutterstock.com

Über Markus Haller

Diplomphysiker im technischen Vertrieb mit Leidenschaft für's Schreiben.
Die Themen dürfen ruhig weit gesteckt sein: Von Archäologie und Kulturanalyse über Naturwissenschaft und Technik hin zum eCommerce und Content-Marketing.

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