Mehrsprachiger Content in der Schweiz: Inhalte für verschiedene Sprachregionen entwickeln

Unternehmen möchten ihre Zielgruppen in der ganzen Schweiz erreichen. Dabei reicht es nicht aus, einen deutschen Text zu übersetzen und anschliessend auf der Website zu veröffentlichen. Mehrsprachiger Content berücksichtigt die Perspektive der jeweiligen Zielgruppe. Er passt Beispiele, Suchbegriffe, Tonalität und Fachbegriffe an den regionalen Kontext an, ohne die zentrale Botschaft zu verändern. So entstehen Inhalte, die nicht wie Übersetzungen wirken, sondern eigenständig und glaubwürdig kommunizieren.

Der folgende Artikel zeigt, worauf Unternehmen bei mehrsprachigem Content in der Schweiz achten sollten, wie sich Inhalte sinnvoll lokalisieren lassen und welche Rolle Planung, Übersetzung und Qualitätssicherung spielen.

Die Sprachen der Schweiz

In der Schweiz spricht man die Landessprachen Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch. Deutsch, Französisch und Italienisch gelten als Amtssprachen. Rätoromanisch wird im Kontakt mit rätoromanischsprachigen Personen ebenfalls verwendet.

Für Unternehmen bedeutet diese Vielfalt: Es gibt nicht die eine schweizerische Zielgruppe. Ein Text für Zürich richtet sich an ein anderes sprachliches Umfeld als ein Beitrag für Lausanne, Lugano oder Chur.

Innerhalb der einzelnen Sprachregionen gibt es ebenfalls Unterschiede. In der Deutschschweiz sprechen viele Menschen im Alltag Schweizerdeutsch, während schriftliche Inhalte meist auf Standarddeutsch erscheinen. Schweizerdeutsche Dialekte unterscheiden sich zudem je nach Region.

Diese Besonderheiten wirken sich auf die Content-Erstellung aus. Begriffe wie „Velo“, „Spital“, „Billette“ oder „Natel“ gehören zum schweizerischen Sprachgebrauch. Ein Text aus Deutschland kann zwar grammatikalisch korrekt sein und trotzdem unpassend wirken.



Übersetzen und lokalisieren

Eine Übersetzung überträgt den Inhalt in eine andere Sprache. Eine Lokalisierung passt ihn zusätzlich an die jeweilige Region und Zielgruppe an. Genau dieser Unterschied entscheidet häufig darüber, ob mehrsprachiger Content glaubwürdig wirkt.

Bei der Lokalisierung prüfen Unternehmen unter anderem:

  • Welche Begriffe verwendet die Zielgruppe?
  • Welche Beispiele passen zur Region?
  • Welche Suchbegriffe führen zu relevanten Inhalten?
  • Welche Anrede und welcher Ton wirken angemessen?
  • Gibt es rechtliche oder kulturelle Besonderheiten?
  • Müssen Preise, Masse, Währungen oder Datumsangaben angepasst werden?

Ein deutscher Ratgeber über Krankenversicherungen lässt sich nicht ohne Weiteres für die Romandie oder das Tessin übernehmen. Die grundlegende Struktur kann gleich bleiben. Fachbegriffe, Beispiele und Erklärungen benötigen jedoch eine sorgfältige Anpassung.

Auch französische Texte für die Schweiz sollten nicht einfach aus Frankreich übernommen werden. Gleiches gilt für italienische Inhalte aus Italien. Sprachliche Unterschiede zeigen sich nicht nur in einzelnen Wörtern, sondern auch in Satzbau, Tonalität und Erwartungen an die Kommunikation.



Inhalte für die jeweilige Suchintention entwickeln

Mehrsprachiger Content beginnt idealerweise mit der Recherche. Unternehmen sollten zuerst klären, wonach Menschen in der jeweiligen Sprachregion suchen.

Die Suchintention kann sich zwischen den Zielgruppen unterscheiden. Nutzerinnen und Nutzer suchen möglicherweise nach demselben Produkt, verwenden dafür aber unterschiedliche Begriffe. Auch die Fragen, die sie stellen, können je nach Markt variieren.

Deshalb sollten Redaktionen für jede Sprachversion eigene Suchbegriffe prüfen. Das betrifft nicht nur Hauptkeywords, sondern auch verwandte Suchanfragen, Fragen und regionale Formulierungen.

Anschliessend werden Seitentitel, Zwischenüberschriften, Meta-Beschreibungen und interne Links angepasst. Eine französische Seite sollte nicht auf deutsche Suchbegriffe ausgerichtet sein. Unveränderte SEO-Elemente verschenken Potenzial und erschweren den Zugang zum Inhalt.

Nicht jeder Inhalt braucht vier Versionen

Mehrsprachigkeit bedeutet nicht automatisch, dass jedes Unternehmen sämtliche Inhalte in Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch veröffentlichen muss. Entscheidend sind Zielgruppe, Angebot und Reichweite.

Unternehmen sollten zunächst analysieren:

  • In welchen Regionen sind ihre Kundinnen und Kunden aktiv?
  • Welche Sprachgruppen bringen den grössten Umsatz?
  • Welche Inhalte werden besonders häufig aufgerufen?
  • In welchen Sprachen gehen Anfragen beim Kundendienst ein?
  • Für welche Märkte bestehen konkrete Wachstumsziele?

Ein regional tätiger Betrieb benötigt möglicherweise nur deutsche Inhalte. Ein Unternehmen mit Kundschaft in der Deutschschweiz und Romandie sollte dagegen zentrale Produktinformationen, Ratgeber und Serviceinhalte in beiden Sprachen bereitstellen.

Priorität haben meist Inhalte, die Kaufentscheidungen unterstützen, häufig gesucht werden oder wichtige Fragen beantworten. Dazu gehören Produktseiten, Landingpages, Anleitungen, FAQ und zentrale Ratgeber.

Einheitliche Botschaft, eigenständige Umsetzung

Alle Sprachversionen sollten dieselbe zentrale Aussage vermitteln. Trotzdem müssen sie nicht Satz für Satz identisch aufgebaut sein. Eine französische Überschrift kann beispielsweise eine andere Länge oder einen anderen Schwerpunkt benötigen als die deutsche Variante.

Auch Beispiele lassen sich anpassen. Ein Beitrag für die Romandie kann regionale Situationen aufgreifen, während ein italienischer Text stärker auf die Bedürfnisse des Tessins eingeht. Die Marke bleibt erkennbar, der Inhalt wirkt dennoch näher an der jeweiligen Zielgruppe.

Ein Styleguide hilft dabei, die sprachliche Linie festzulegen. Er kann unter anderem Vorgaben zu folgenden Punkten enthalten:

  • Anrede und Tonalität
  • Schreibweise von Produktnamen
  • Fachbegriffe und bevorzugte Übersetzungen
  • Zahlen, Masse und Datumsangaben
  • Verwendung von Anglizismen
  • Formulierungen für Handlungsaufforderungen
  • Umgang mit regionalen Begriffen

So vermeiden Unternehmen, dass verschiedene Übersetzer denselben Begriff unterschiedlich verwenden.

Qualitätssicherung braucht feste Abläufe

Mehrsprachiger Content sollte nicht erst nach der Veröffentlichung geprüft werden. Klare Zuständigkeiten verhindern Fehler und verkürzen die Abstimmungswege.

Ein sinnvoller Prozess umfasst mehrere Schritte:

  1. Die Redaktion definiert Zielgruppe, Suchintention und Ziel des Inhalts.
  2. Fachpersonen liefern Informationen, Quellen und aktuelle Daten.
  3. Eine qualifizierte Übersetzerin oder ein Übersetzer erstellt die Sprachfassung.
  4. Eine Person aus der jeweiligen Region prüft Begriffe, Tonalität und Verständlichkeit.
  5. Die Redaktion kontrolliert Links, SEO-Elemente und Formatierung.
  6. Alle Sprachversionen werden veröffentlicht und später gemeinsam aktualisiert.

Die Bundesverwaltung behandelt ihre drei Amtssprachen ebenfalls als gleichwertige Fassungen. Amtliche Texte werden auf Deutsch, Französisch und Italienisch beschlossen und publiziert. Unternehmen müssen diesen Aufwand nicht vollständig übernehmen. Dennoch zeigt diese Praxis den hohen Stellenwert einer sorgfältigen Prüfung und Anpassung an die jeweilige Sprache.



Inhalte regelmässig aktualisieren

Ein veralteter Inhalt ist unabhängig von der Sprache veraltet. Ändern sich Preise, Produkte, gesetzliche Vorgaben oder Ansprechpartner, müssen alle Sprachversionen angepasst werden.

Dafür eignet sich ein gemeinsamer Redaktionsplan. Er dokumentiert, wann ein Inhalt veröffentlicht, geprüft und überarbeitet wurde. Zusätzlich sollte festgehalten werden, welche Version als Ausgangspunkt dient und wer die Aktualisierung koordiniert.

Auch Rückmeldungen aus Kundenservice, Vertrieb und Beratung liefern wichtige Hinweise. Fragen, die in einer bestimmten Sprachregion wiederholt auftreten, können auf fehlende oder missverständliche Inhalte hinweisen. Daraus entstehen neue FAQ, Ratgeber oder Erklärtexte.

 

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