Studie: Künstliche Intelligenz löst bei vielen Beschäftigten Schuldgefühle aus

Statt sich zufrieden zurückzulehnen oder die gewonnene Zeit anderweitig zu nutzen, haben manche Menschen ein schlechtes Gewissen, wenn es ihnen dank Künstlicher Intelligenz (KI) gelungen ist, innerhalb von 20 Minuten eine Präsentation fertigzustellen, die sie normalerweise einen ganzen Arbeitstag gekostet hätte. Dieses Phänomen hat Forscher Paul Jones von der Aston University untersucht.

„Das könnte man als Produktivitätsschuld bezeichnen – das unbehagliche Gefühl, dass durch Technologie eingesparte Zeit gerechtfertigt, ausgefüllt oder zurückgezahlt werden muss. KI erzeugt diese Schuld nicht aus dem Nichts. Sie legt etwas offen, das bereits da war“, unterstreicht Jones.

KI produziert Schuldgefühle

Viele Menschen fühlten sich bereits schuldig, wenn sie nicht arbeiteten. Selbst Ruhe könne sich in Kulturen unangenehm anfühlen, in denen Geschäftigkeit als Beweis für Engagement, Ehrgeiz und Wert angesehen werde. Der vertraute Gedanke „Ich sollte eigentlich etwas tun“ zeige, wie tief die Auffassung verwurzelt sei, dass ungenutzte Zeit vergeudete Zeit sei.

Kompetenz durch lange Tage

An vielen Arbeitsplätzen gelten laut dem Forscher der Aston University lange Arbeitszeiten, volle Terminkalender und schnelle Antworten als Beweis für Kompetenz und Bedeutung. Das liegt unter anderem daran, dass Menschen Ergebnisse oft höher wertschätzen, wenn diese einen grösseren Aufwand erfordern. In vielen Kulturen wird harte Arbeit als Tugend angesehen, sodass das, was sich leicht anfühlt, auch als weniger wertvoll empfunden werden könne.

„Der KI-Einsatz im Job ist ein gutes Beispiel. Wenn ein entsprechendes Tool es jemandem ermöglicht, einen Bericht, eine Präsentation oder eine Reihe von Ideen in einem Bruchteil der sonst üblichen Zeit zu erstellen, kann das Ergebnis zwar hervorragend sein. Doch emotional sieht das anders aus. Wenn etwas ohne grossen Aufwand gelingt, fühlt es sich möglicherweise weniger als Verdienst an. Und wenn es sich weniger verdient anfühlt, wirkt es vielleicht weniger wie ‚echte‘ Arbeit.“

Verkomplizierte Beurteilung

Viele Arbeitnehmer definieren sich über ihre Arbeit. Ein gut geschriebener Bericht, eine sorgfältige Analyse oder ein durchdachter Vorschlag gilt ihnen mehr als nur die Erledigung einer Aufgabe. Sie erzählen eine Geschichte darüber, wie fähig, sachkundig und nützlich sie sind. KI verkompliziere das.

Sei ein KI-Tool im Spiel, könne die Frage nicht mehr lauten: „Ist das gute Arbeit?“, sondern: „Ist das noch meine Arbeit?“

Wenn Unternehmen wollen, dass KI das Arbeitsleben verbessert, müssten sie klarer definieren, wofür die eingesparte Zeit genutzt werden sollte: Diese sollte nicht automatisch zur Bewältigung von noch mehr Aufgaben genutzt werden müssen, sondern zur Förderung eines besseren Urteilsvermögens, für tiefgründigeres Nachdenken, Zusammenarbeit, Weiterentwicklung und sogar zur Erholung vom Stress.

„KI verändert nicht nur, wie schnell Aufgaben erledigt werden können. Sie stellt eine alte Überzeugung infrage, wonach Aufwand der wichtigste Beweis für Wert ist. Das mag der Grund sein, warum sich eingesparte Zeit so unangenehm anfühlen kann“, unterstreicht der Wissenschaftler abschliessend.

 

Quelle: pressetext.redaktion / Aston University
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