Ein Blick auf Russland offenbart Interessantes!



Im letzten Artikel beschrieben wir das Aufkommen eines sehr westlich angehauchten Phänomens – der eSport-Szene. Wir schlossen mit dem Hinweis, ruhig ein Auge auf diesen Bereich zu werfen, da von hier innovative Formen und Konzepte des Marketings zu erwarten sind.

Nun wenden wir den Blick nach Osten, auf eine staatliche Suchmaschine, die ebenfalls zur Umsetzung nachahmenswerter Konzepte inspiriert – diesmal allerdings auf Staatsebene.

Russland wird zur Zeit kontrovers diskutiert. Während die Sanktionen des Westens auch die Schweiz Wirtschaft treffen könnten, beraten die G7 Staaten darüber, wie die Abhängigkeit vom russischen Gas minimiert werden kann. Der Start einer staatlichen Suchmaschine hat bereits vor den aktuellen politischen und militärischen Auseinandersetzungen für Skepsis gesorgt. Als erste Berichte zu dem Vorhaben an die Öffentlichkeit drangen, wurden Stimmen laut, die darin einen Versuch sahen, den Einfluss des unabhängigen und eher opportunen Marktbeherrschers Yandex einzudämmen. Neben den vielleicht zweifelhaften Beweggründen für die neue Suchmaschine namens Sputnik, lässt sich nach dem Projektstart auch einiges Interessantes ablesen. Wir wollen diese Punkte bei einer kurzen Vorstellung von Sputnik herausstellen.

Offizielle Einführung

Offiziell vorgestellt wurde Sputnik am 22. Mai auf dem jährlichen internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg. Damals konnte „man Sputnik aber nur mit einer russischen IP-Adresse aufrufen“, schrieb Vitaliy Malykin noch am gleichen Tag in einem Blog. Er ist Mitarbeiter der Kölner Marketing- und SEO-Agentur Design4u, die sich seit Jahren auf den russischen Markt spezialisiert hat. Mittlerweile ist die erste Testphase offenbar abgeschlossen und Sputnik kann auch ausserhalb Russlands aufgerufen werden.

Obwohl das Projekt eindeutig zu Teilen in den Händen des russischen Staates liegt – die Entwicklungsfirma ist das Telekommunikationsunternehmen Rostelecom, dessen Hauptaktionär der russische Staat ist – kostet die Suchmaschine den Steuerzahler angeblich kein Geld. Die Chancengleichheit im Wettbewerb soll durch die Staatsbeteiligung ebenfalls nicht beeinträchtigt sein. Angesichts der verpflichtenden Einführung von Sputnik in russischen Behörden ist dies zwar zunächst schwer zu glauben, aber laut dem Design4u-Mitarbeiter wurde dies auch vom Yandex-Pressesprecher bestätigt.

Aussehen und Konzept

Malykin bringt die Erscheinung von Sputnik auf den Punkt, wenn er schreibt, dass sie sich deutlich erkennbar an Bing orientiere. Ein dominantes Panorama, über dem die Suchleiste eingebettet ist, prägen das Aussehen. An den Randbereichen gibt es Wetterinformationen und Linkvorschläge.

Thematisch sei Sputnik, so Malykin, stark auf die russischen Bürger ausgerichtet und gehe in seinem Leistungsumfang weit über die Funktionalität einer klassischen Suchmaschine hinaus. So können Bürger in verschiedenen Themenbereichen auf Informationen zugreifen, die in dieser Weise nur der Staatsappart verfügbar machen kann und daher einen echten Mehrwert bieten. Neben Verzeichnissen von staatlichen Hilfseinrichtungen und Beratungsstellen gibt es Informationen zu typischen Bürger-Themen: Vom Geburtsregister über den Militärdienst bis zur Rente.


Knotenpunkt: Zentrale Erhebung, Verwaltung und einheitlicher Standard machen bei Big Data Sinn. (

Knotenpunkt: Zentrale Erhebung, Verwaltung und ein einheitlicher Standard machen bei grossen Datenmengen viel Sinn (Bild: © chungking – Fotolia.com).


Die Bürokratie eines ganzen Staates geht online

Über Sputnik lassen sich auch zahlreiche Anträge einreichen, was sonst nur unter Einsatz von viel Papier und Wartezeit in den entsprechenden Behörden möglich war. Darüber hinaus ist Sputnik auch als Kommunikationsmodul zwischen den Behörden selbst konzipiert worden.

Der Versuch den staatlichen Bürokratieapparat zu verschlanken, indem er teilweise auf eine zentrale online-Suchmaschine ausgelagert wird, ist durchaus bemerkenswert. Eventuell kann der Staat auf diese Weise Personalkosten einsparen und seinen Bürgern gleichzeitig die Antragstellung erleichtern.

Generell ist es nichts Neues, staatliche Formulare über das Internet einzureichen. Sicherlich erledigt ein grosser Teil der Steuerzahler seine Steuererklärung mittlerweile online. Das Mass an Zentralisierung, sowie die Kopplung an eine grosse Suchmaschine, die darüber hinaus auch weitere nützliche Informationen allesamt an einem Ort zur Verfügung stellt, ist allerdings nicht ganz alltäglich. Vom Aspekt der Datenerhebung und -Verwaltung ist ein einheitlicher Standard sicherlich ein effizientes Vorgehen. Darüber hinaus kann die Einbettung in eine Umgebung, die aufgrund der Nützlichkeit häufig aufgesucht wird, mit der Zeit vermutlich eine hohe Nutzungsrate durch die Bürger erreichen.

Sollte dieses Konzept erfolgreich sein, verfügt Russland bald über Erfahrungswerte beim Optimieren von grossflächigen Bürokratiestrukturen, die sicherlich auch für andere Staaten interessant wären.

 

Oberstes Bild: © Pavel Burchenko – Fotolia.com

Über Markus Haller

Diplomphysiker im technischen Vertrieb mit Leidenschaft für's Schreiben.
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